1995

Der Pfarrer des Ortes lenkte das Interesse der Laienspieler in Richtung sogenannter alternativer Krippenspiele. Hier wird nicht einfach nur die Geschichte der Geburt Jesu erzählt, sondern auch immer ein aktueller Bezug zur Gegenwart genommen. Dabei sollten auch keine Berührungsängste vor kontroversen und provozierenden Inhalten bestehen. Diese Idee fand großen Anklang, war es doch eine Möglichkeit schauspielerische Begeisterung mit der Verbreitung der christlichen Botschaft zu verbinden. Um nicht mit den Anhängern der traditionellen Form in Konflikt zu geraten, verlegte man die Spielzeit auf 22.00 Uhr und nannte das Ganze "Christnachtsfeier". Als Premiere kam am 24.12. "Ein Christnachtstraum" zur Aufführung. Das Stück beruhte auf einem bereits existierenden Manuskript, welches jedoch in Eigenregie weitestgehend umgeschrieben wurde. In Anspielung auf die biblische Weihnachtsgeschichte beschäftigte sich die Handlung mit der Frage, wie die heutige Gesellschaft auf die Begegnung mit Maria und Josef reagieren würde. Die Veranstaltung kam sehr gut an. Unter den zahlreichen Besuchern fiel der Anteil eigentlich konfessionsloser Jugendlicher auf- man war also auf dem richtigen Weg.

 

Wie würden ganz normale Bürger unserer Zeit reagieren, wenn sich die Weihnachtsgeschichte gewissermaßen vor ihrer Haustür abspielen würde?
Diese interessante Frage ist die Grundlage der ersten Christnachtsfeier. Basierend auf einem bereits existierenden Manuskript verknüpften die Autoren Elemente der klassischen Bibelgeschichte mit Kernaussagen des neuen Testamentes.
Die beiden Hauptpersonen, ein junges Paar, verpassen am Heiligen Abend nach dem Gottesdienst den letzten Zug nach Hause. Wie einst Maria und Joseph suchen sie nun verzweifelt eine Unterkunft. Auf ihrer Odyssey durch eine unbekannte Stadt lernen sie auf recht unerfreuliche Weise doppelmoralische Spießbürger und pedantische Staatsdiener kennen. Diese bringen ihnen jedoch keinerlei Mitgefühl entgegen. Aufgeschlossener zeigt sich die andere Seite der Gesellschaft, repräsentiert durch Prostituierte, Ausländer, Bettler und Außenseiter. Am Ende feiern unsere Helden mit eben diesen Unterprivilegierten gemeinsam die Geburt Jesu.

geschrieben von Stefan Vogler, Enrico Münzner und Torsten Wohmann


Bisherige Aufführungen:
24.12.1995 - Kirche Witzschdorf